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Die Hexenrune

Einer der bekanntesten Texte zur Erweckung und Steigerung der Hexenmacht ist die Hexenrune. Es handelt sich hierbei nicht um einen altüberlieferten Text. Die Rune wurde in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts von Doreen Valiente verfasst:

Dunkle Nacht und heller Mondenschein
So solls in den vier Winden sein
Die alle auf die Hexenrune hören
Hier kommen wir, dich zu beschwören

Feuer, Wasser, Luft und Erdenreich
Stab, Pentakel und das Schwert zugleich
Sind versammelt hier an diesem Ort
Und machen wahr das Hexenwort

Schnüre, Peitsche, Räucherfaß und Besen
Und des Hexendolches mächt´ges Wesen
Sie alle erwachen nun zu Leben
Während wir den Zauberfaden weben

Königin des Himmels und der Hölle voller Macht
Gehörnter Jäger in der finst´ren Nacht
Verleiht unsrem Zauber eure Kraft
Auf daß unser Wille Wirklichkeit erschafft

Bei allem das zu Lande und zu Wasser wohnt
Bei aller Macht von Sonne und von Mond
Wie wir wollen, so wird es gehen
Sprich den Zauber und es wird geschehen

Eko, Eko Azarak
Eko, Eko Zamilak
Eko, Eko Cernunnos
Eko, Eko Aradia.

Mit anderen Worten sagt uns dieser Text, daß sich die Hexen in der Vollmondnacht treffen und die Elemente und ihre Entsprechungen um Schutz und Hilfe bitten sollen. Um die beabsichtigte Magie erfolgreich zu bewirken, kommen die Hexenwerkzeuge zum Einsatz:
Der Zauberstab zur Beschwörung, das Pentakel als Verbindung zur realen Welt, das Schwert zur Bannung, die Fesseln der Initiation als Symbol der Freiheit, die Peitsche als Sinnbild für schmerzhaftes Lernen, das Räuchergefäß für den Weihrauch, der Besen zur Reinigung des Kreises und der Dolch, um den Kreis von der Umgebung abzutrennen.
Es sollen sowohl Gott als auch Göttin um Unterstützung gebeten werden, um empfangende und gebende Qualitäten für die Magie zu nutzen. Die Bezeichnung »Königin des Himmels und der Hölle« wurde im englischen Originaltext sowohl aus Gründen des Versmaßes als auch zur Unterstreichung der allumfassenden Macht gewählt. Die Hölle im heute gebräuchlichen Sinne einschließlich des Teufels ist eine Erfindung des Christentums und existiert weder im Wicca noch in anderen heidnischen Religionen. Im letzten Teil wird noch einmal deutlich gemacht, daß die Magie auschließlich aus dem Willen (und der Vorstellungskraft) desjenigen, der die Magie betreibt, mit Hilfe der Gottheiten Wünsche Realität werden läßt. Die letzten vier Zeilen dienen lediglich dazu, die Konzentration auf das Kommende zu fördern. Mit Ausnahme der Götternamen »Cernunnos« und »Aradia« handelt es sich hier um eine Komposition von Worten, die nur einen Rhytmus vermitteln sollen.

Die Hexenrune wird bei Esbats und Sabbaten »gesungen«, was in der Regel heißt, daß alle Mitglieder des Zirkels im Kreis schreiten und dabei im Chor die Hexenrune zitieren. Dies kann ein- oder mehrmals erfolgen. Der Vorgang dient der Konzentration der Kraft auf den Mittelpunkt des Kreises, bevor eine magische Handlung in Angriff genommen wird.  


 

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