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Schnitterfest (Lammas)
1. August

Das Schnitterfest ist das erste Erntedankfest des Jahres. Das Getreide steht jetzt hoch und nach dem Fest beginnt die Ernte. Noch besteht die Gefahr, daß der Erfolg der ganzen Arbeit im letzten Augenblick zunichte gemacht wird, denn an diesen heißen Tagen brauen sich oft Gewitter zusammen und können die empfindlichen Pflanzen in Minuten zerstören. All das Korn, das seit dem Frühjahr wächst, kann in kürzester Zeit z.B. durch Hagelschlag vernichtet werden. Das Fest hat daher vordergründig eher bittende und beschwörende Aspekte. Die Götter als Beschützer und Zerstörer (im keltischen Bereich Lugh, im germanischen seine Entsprechung Odin) werden gebeten, ihre schützende Hand über die Ernte zu halten, um zu verhindern, daß sie durch Naturgewalten oder feindliche Eingriffe zerstört wird. In den letzten Wochen vor dem Beginn der Ernte herrschte meist bittere Not, da die Vorräte aufgebraucht oder ungenießbar geworden waren und die neuen Früchte noch nicht die nötige Reife hatten. Jetzt wartet man ungeduldig darauf, die Ernte zu beginnen, damit die unfreiwillige Fastenzeit ein Ende haben kann.

Aus der Verbindung zwischen dem weiblichen (Erde) und dem männlichen Prinzip (Sonne) gehen die ersten Früchte der Ernte hervor. Der Sonnengott weiß, daß seine Tage gezählt sind, doch noch ist seine Macht größer als die der Dunkelheit, denn die Tage sind noch immer länger als die Nächte. Dennoch schwindet mit jedem Tag seine Kraft, und er gibt sie der Erde, damit sie nicht verloren geht und in den Früchten weiterlebt. Damit überträgt er seine Macht auf seinen Sohn, der in der Göttin heranreift, um zu Jul wiedergeboren zu werden. Die Sonne bereitet sich so auf den Tod vor und stirbt dann schließlich an Helloween.

Mit dem Schnitterfest wurde bei den Germanen zu Ehren Odins die Leinernte gefeiert. Aus diesem Anlass wurden auch Böcke geopfert. Man schritt anschließend in einer Prozession durch die Felder. Es wurden die ersten Brotlaibe, Breie und Brötchen aus dem neuen Getreide geopfert und während einer rituellen Mahlzeit verzehrt. Sie wurden aus geweihtem Korn gebacken. Alle Arbeitsgänge von der Ernte des Getreides bis zum Backen mußten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang abgeschlossen sein. Zu diesem Zweck schnitt das Oberhaupt der Familie morgens unter Segenssprüchen feierlich die erste Garbe mit der Hand. Das Korn wurde dann am Feuer gedörrt oder auf einer Steinplatte gebrannt, bis die gehärteten Körner übrigblieben. Diese wurden dann mit steinernen Mühlsteinen per Hand gemahlen. Aus dem Mahlgut wurde durch wiederholtes Sieben schließlich das Mehl gewonnen. Damit wurde eine erfolgreiche Ernte rituell vorweggenommen und magisch abgesichert.

Die erste und die letzte Garbe spielten bei der späteren Ernte eine besondere Rolle. Die erste Garbe wurde schweigend geerntet, um eventuell im Korn wohnende Dämonen nicht aufzuschrecken. Aber schließlich mußten sich diese unberechenbaren Geister vor den Schnittern immer weiter zurückziehen, bis ihnen nur noch die letzte Garbe als Zuflucht übrig blieb. In ihr waren die Korngeister gefangen. Diese letzte Garbe blieb daher zusammengebunden stehen, und diente als Futter für Odins Pferd. Die erste geerntete Garbe verwahrte man als Glücksbringer, um sie beispielsweise über die Haustür zu hängen, während die vorletzte Garbe fürs Julfest aufbewahrt wurde. Der Wagen mit der letzten Fuhre Getreide wurde üppig geschmückt und in einer feierlichen Prozession zum Hof geführt. Aus dem Getreide dieser Fuhre wurde eine Strohpuppe in Menschengestalt gefertigt, die sog. »Kornmuhme«. Sie wurde als magischer Schutz für die Vorräte in den Speicher gestellt. Es wurden auch Ketten und Armbänder aus dem Getreide gefertigt, die als Schutz- und Fruchtbarkeitsamulette dienten.

Das Schnitterfest ist das letzte große Sommerfest des Jahres. In früheren Zeiten, als Reisen und Transporte außerhalb der Sommermonate sehr beschwerlich, wenn nicht unmöglich waren, war dieses Fest die vorläufig letzte große Gelegenheit für Kontakte zwischen den einzelnen Gehöften und Dörfern. Es wurde daher als willkommener Anlaß genutzt, Märkte zu arrangieren, auf denen alle nur erdenklichen Waren feilgeboten wurden. Sie dienten auch als »Heiratsmarkt« und boten Paaren die Gelegenheit, Eheversprechen für ein Jahr und einen Tag abzugeben. Eine solche Ehe hatte bis zum nächsten Schnitterfest Gültigkeit. Dann konnten beide entscheiden, ob man weiterhin zusammenbleiben und dies mit einer richtigen Hochzeit besiegeln, oder die Verbindung lösen und auseinandergehen wollte. Aus diesem ganzen Trubel sind dann später die Jahrmärkte entstanden.

Für unser Fest schmücken wir Kreis und Altar in den Farben blau - rot - gelb. Als Blumenschmuck eignen sich Kräuter, Feldblumen, Sonnenblumen, Kornblumen, Mohn, Kornähren und Zweige von Beeren tragenden Sträuchern, wie z.B. die Brombeere. Den Altar dekorieren wir mit Brot, Früchten, Getreide- und Kräuterkränzen, Kornpuppen, Getreidebündel und Sichel. Wir können auch Blumenkränze binden und in Wachs tauchen. Diese werden im Haus aufgehängt, weil sie die Wärme des Sommers gespeichert halten.
Thema des Festes ist der Dank gegenüber der Natur und den Göttern dafür, daß man nun in der glücklichen Lage ist, wieder ausreichend Nahrungsvorräte zu haben. Entsprechend unserer Lebensumstände in den Industrieländern können wir das Thema auch insoweit abwandeln, als wir uns für die Wärme und die Üppigkeit des Sommers bedanken. Wir können in diesem Zusammenhang ein Opfer bringen in Form eines frisch gebackenen Brotes, das im Ritualfeuer verbrannt, im Rahmen einer rituellen Mahlzeit verzehrt oder der Natur zurückgegeben wird. Wir bereiten uns mit diesem Fest aber auch innerlich auf den Abschied vom Sommer vor und gedenken des sterbenden Sonnengottes. Ihm zu Ehren können wir beispielsweise gemeinsamm vor dem eigentlichen Fest eine Puppe aus frischen Getreideähren anfertigen. Diesen »Kornkönig« beerdigen wir dann im Ritual an einer besonders markierten Stelle im Garten. Wenn der Kornkönig in den nächsten Monaten besonders gut keimt und austreibt, ist dies ein gutes Zeichen für das folgende Jahr.
Das Schnitterfest bietet eine großartige Gelegenheit, uns von Ängsten zu lösen. Zu diesem Zweck backen wir rechtzeitig vor dem Fest eine passende Menge männlicher und weiblicher Brotfiguren. Im Ritual übertragen wir unsere Ängste auf die Figuren und übergeben sie dem Feuer. Zusätzlich können wir einen Energiekegel aufbauen und ihn zusammen mit unseren Ängsten in das Feuer leiten. Das Feuer sollte auf gar keinen Fall in einem geschlossenen Raum brennen, da sich eine ungeahnte Rauchentwicklung einstellt.
Bis zum Augustvollmond müssen die letzten Heil- und Zauberpflanzen gepflückt sein. Sie haben jetzt ihre optimale Kraft erreicht. Da die meisten um diese Zeit nicht mehr blühen, geht es uns besonders um die Blätter, Stengel und Wurzeln. Gerade die Wurzeln sind jetzt besonders begehrt wegen ihrer starken medizinischen und magischen Wirkung. Es lassen sich aus ihnen besonders wirksame magische Amulette herstellen. Zum Schnitterfest liegt auf Menschen, Tieren und Pflanzen ein »dreifacher Segen«, sodaß die heilsame Wirkung der Pflanzen verdreifacht wird und ihre Gifte keinen Schaden verursachen. Wir können jetzt auch besonders wirksame Öle aus den Pflanzen herstellen. Das Schnitterfest heißt in einigen Gegenden auch »Kräuterweihe«. Daher sollten wir nicht vergessen, ein Weiheritual für unsere im Laufe des Jahres gesammelten Kräuter mit in unser Fest einzubauen.

Wir verwenden frische, fruchtige Räucherungen, die den Duft der Erntezeit in sich tragen. Dies sind insbesondere Weihrauch, Sandelholz, Brombeerblätter sowie Blütendüfte von Rose, Heidekraut oder Erika und Apfelblüten.
 


 

Beispiel eines Schnitterfestes:
 
Reinigung und Errichten des Kreises
Begrüßung
Anrufung von Gott und Göttin
Festmahl
Den Kornkönig begraben
Unsere Ängste dem Feuer übergeben
Kräuterweihe
Kekse und Wein
Tanz und Trommeln zu Ehren Freyas
Öffnen des Kreises

 

Korn

 


 

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