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Das Hexenwerkzeug
 

Eine Hexe benötigt für ihre Tätigkeit Werkzeuge. Für dieses Werkzeug gibt es keine Vorschriften bezüglich Form, Farbe und Funktion. Selbst ein völlig formloser Gegenstand kann zum unverzichtbaren Werkzeug werden - wenn der Anwender davon überzeugt ist, daß dieser Gegenstand für die geplante magische Operation genau das Richtige ist. Es ist nämlich nicht der Gegenstand, der Magie bewirkt, sondern der Anwender. Das Werkzeug dient lediglich dazu, die vom Benutzer erzeugten Energien zu bündeln und zu leiten.
Im Idealfall wird das Werkzeug von der Hexe selbst hergestellt. Damit ist sichergestellt, daß schon ein Teil der Persönlichkeit der Hexe im Werkzeug enthalten ist. "Puristen" gehen sogar so weit, daß sie fordern, daß z.B. für die Herstellung eines Messers das benötigte Erz selbst geschürft, geschmolzen und geschmiedet werden soll. Wer nicht soweit gehen möchte, kann auch auf andere Weise an den benötigten Gegenstand kommen. Die zweitbeste Lösung ist, daß man ihn irgendwo findet oder geschenkt bekommt. Die drittbeste Möglichkeit ist, ihn zu kaufen. In diesem Fall gilt für Hexen: Unter gar keinen Umständen um den Preis feilschen, da jeder Gegenstand seinen Wert hat.

Hier nun die wichtigsten Werkzeuge für den Anfang:

 

Hexendolch

Der Dolch (Osten, Luft, aktiv, männlich)
Der zweischneidige Hexendolch wird auch als "Athame" bezeichnet. In manchen Hexenzirkeln spielt auch die Farbe eine Rolle, ihre Bedeutung wird jedoch von Coven zu Coven unterschiedlich gesehen. Er ist das wichtigste Werkzeug der Hexe.
Die Schneide steht für die Schärfe des Verstandes, die Kälte des Metalls versinnbildlicht den kühlenden Wind. Die zweischneidige Klinge ist ebenfalls symbolisch, kann der Dolch doch sowohl vernichtend wirken als auch einen Schutzkreis ziehen. In letzterer Funktion wird mit ihm ein Stück der Welt abgetrennt, um daraus einen eigenen Raum zwischen den Welten zu schaffen. Anschließend kann der Dolch dazu verwendet werden, um diesen Bereich mit einem unüberwindlichen Bollwerk zu umgeben.
Im Ritual dient der Dolch dazu, Energien zu beschwören und zu dirigieren. Er hat eine reinigende Wirkung und kann Verbindungen trennen. Er stellt in der Praxis eine Verlängerung des Armes der Hexe dar, eine Art Hebel, der den Umgang mit magischen Kräften erleichtert. Ferner dient er als Symbol des Männlichen im (symbolischen) großen Ritus.

 

Kelch

Der Kelch (Westen, Wasser, passiv, weiblich)
Der Kelch sollte aus lebensmitteltechnischen Gründen aus Silber oder Messing bestehen und eine schlanke Form aufweisen. Materialien wie Glas oder Ton sollten vermieden werden, wenn man Rituale in der Natur ausführen möchte. Hier findet man selten eine ebene Ablage, sodaß schon so mancher Kelch zu Boden gefallen ist.
Der Kelch stellt in Zeremonien den weiblichen Aspekt dar. Er symbolisiert mit seiner gefüllten Höhlung den weiblichen Schoß, aus dem sich die Schöpfung ergießt. Er kann lebensnotwendiges Wasser enthalten oder berauschenden Wein. Er kann mit seinem Inhalt den Verdurstenden retten oder dem Verzweifelten den betäubenden Rausch spenden.
Der Kelch wird mit Wasser, Wein, Met oder einer anderen Flüssigkeit gefüllt, die im geplanten Ritual benötigt wird. Er soll eine Verbindung zu Intuition und Gefühl herstellen. Er kann jedoch nur dann richtig funktionieren, wenn er für den Anwender sowohl bewußt als auch unterbewußt für die Uranfänge des Seins, für den Schöpfungsakt selbst und für die schöpferische Kraft des Wassers steht.
Er wird verwendet zur Anrufung der Elementarkräfte des Wassers (Undinen) und verstärkt im Ritual das Gemeinschaftsgefühl, indem alle reihum aus ihm trinken. Ferner dient er als Symbol des Weiblichen im (symbolischen) Großen Ritus.

 

Räuchergefäß

Das Räuchergefäß (Süden, Feuer, passiv, weiblich)
In einem Räuchergefäß wird auf glühender Kohle das Räucherwerk verbrannt. Hier kommt es nicht auf die Form, sondern ausschließlich auf Funktionalität an. Man sollte jedoch beachten, daß das Gefäß sehr heiß werden kann und für entsprechende Isolierung zur Unterlage sorgen. Als Kohle kann man sowohl Holz-(Grill-)Kohle als auch fertige Kohletabletten verwenden. Der Unterschied liegt lediglich im Komfort beim Entzünden der Kohle.
Man kann den Rauch zur Reinigung verwenden. Durch die Verbindung der beiden Elemente Luft (Rauch) und Feuer (Kohle) entsteht eine äußerst kraftvolle Wirkung. Daher wird der Rauch meist zum Bannen böser Mächte und zum Willkommen guter Wesenheiten verwendet. Der Rauch hilft auch, bestimmte Bewußtseinszustände zu erreichen. Dies kann entweder durch wohlriechende Harze oder psychoaktive Substanzen geschehen. Diese veränderten Bewußtseinszustände sind z.B. in der Orakel-Magie besonders wichtig.

 

Pentakel

Das Pentakel (Norden, Erde, passiv, weiblich)
Das Pentakel ist eine meist flache Scheibe oder Schale aus Stein, Ton oder anderen erdhaften Materialien. Häufig ziert es ein Pentagramm in der Mitte.
Im Ritual ist das Pentakel das Symbol des Schutzes. Es sollte als Erdverbindung ständig im Blickfeld bleiben, damit die Hexe nicht "den Boden unter den Füßen verliert". Das Pentakel verstärkt die Schwingungen der Erde und somit der alltäglichen Welt während einer magischen Handlung. Speziell bei Trancereisen, Invokationen und anderen magischen Aktivitäten, die die beteiligten in eine "Anderswelt" versetzen, kann es manchmal als Wegweiser zurück in die Realität dienen.
Das Pentakel wird häufig zur Erdung von Energien verwendet. In ihm können sich aber auch die Wesenheiten der Erde manifestieren. In vielen Ritualen wird es jedoch rein praktisch genutzt, in dem man darauf das geweihte Salz zur Reinigung oder die Opfergaben bereithält.

 

Zauberstab

Der Zauberstab (Süden, Feuer, aktiv, männlich)
Der Zauberstab besteht in seiner einfachsten Form aus einem von der Hexe selbst geschnittenen Haselnußzweig. Zur Verzierung kann er eine Spitze besitzen, z.B. eine Nuß oder ein Stein. Alle anderen denkbaren Materialien sind für den Stab ebenso geeignet. Er kann je nach Geschmack und Phantasie mit Verzierungen, Bändern oder Symbolen geschmückt sein, soweit es eben zum Thema passt.
Der Zauberstab ist das Symbol des Willens, der Kraft und der Macht, mit der die Hexe ihren Einfluss auf die beseelte und unbeseelte Materie geltend macht. Ebenso wie der Dolch wird der Stab dazu benutzt, um Energien zu leiten, um magische Symbole oder einen Kreis zu zeichnen. Darüber hinaus findet er Verwendung zur Heilung von Krankheiten und zur Beseitigung negativer Einflüssen, für die Anrufung der Gottheiten und anderer Mächte und Energien oder um Energie anzuziehen. Der Stab verbindet, verstärkt, verwandelt und schafft Wachstum.
Der Zauberstab ist Symbol für die magische Autorität der Hexe. Er hilft ihr, über magische Energien und Wesenheiten zu gebieten und ist gleichzeitig ihre wirksamste Waffe gegen letztere. Im Gegensatz zum Hexendolch befielt der Stab nicht, sondern gebietet mit der Würde der dahinterstehenden Person. Man kann manchmal den Eindruck gewinnen, daß die magischen Energien diesem Instrument gern zu folgen bereit sind. Er kommandiert nicht, sondern er verweist alles an seinen Platz. Dies sollte stets höflich geschehen.
Man sollte sich bei Verwendung des Stabes immer darüber im Klaren sein, daß der Stab auch über die Begrenzung des Kreises hinaus wirken kann.

 


 

Die oben vorgestellten fünf Werkzeuge sind die sogenannten "kleinen Hexenwerkzeuge". Die dazugehörigen Entsprechungen bei den "großen Werkzeugen" sind der Reihe nach:

das Schwert,
die Wasserschale,
der Kessel,
der Schild,
der Speer.
Ihre Funktion entspricht der der "kleinen Werkzeuge". Der einzige Unterschied liegt in den Abmessungen. Daher sind die "großen Werkzeuge" eher etwas für Rituale im Freien oder in sehr großen Zirkeln.

Alle genannten Gegenstände werden erst dann zu Hexenwerkzeugen, nachdem sie eine spezielle magische Behandlung erfahren haben: die sogenannte Weihe. Wenn das Werkzeug nicht in allen Einzelteilen selbst hergestellt wurde, muß es zuerst mit Hilfe der Elemente von allen psychischen Anhaftungen, die von anderen Personen zurückgeblieben sind, gereinigt werden. Erst danach können sie einem magischen Zweck und dem Dienst an dem zugeordneten Element und den Gottheiten verpflichtet werden. Der letzte und wichtigste Schritt ist die sogenannte Energetisierung: Die Hexe meditiert über die Symbolik des Werkzeugs solange, bis das Werkzeug selbst für sie zum Symbol wird. Dabei bildet sie einen Kanal für die Energien, die das Werkzeug im späteren Gebrauch aufweisen soll und bringt diese schließlich mit aller Kraft in das Werkzeug hinein, bis sie das Gefühl hat, daß das Werkzeug bis zur Grenze seiner Kapazität aufgeladen ist. Jetzt handelt es sich wirklich um ein mächtiges Hexenwerkzeug, das jedoch nur in der Hand dessen, der es geweiht hat, seine Macht entfalten kann. Daher noch ein Rat: begegnen Sie dem Werkzeug Ihrer Mithexen mit Ehrfurcht, und berühren Sie es nicht!

 


 

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